Satzspiegel konstruieren: Wie ging das?
Ob in der Buchgestaltung oder bei der Konzeption eines zeitgenössischen Magazin-Layouts, man kommt nicht um ihn herum – den Satzspiegel. So einfach sich die Regeln für seine Erstellung auch anhören mögen, um so mehr Erfahrung benötigt es, diese auch richtig anzuwenden und wichtiger noch, um von ihnen abzuweichen. Beheimatet der Satzspiegel nicht zuletzt den elementarsten Teil einer Publikation – den Inhalt – welcher sich harmonisch in das gewählte Format eingliedern soll.
Satzspiegel, aber warum?
Ein sehr netter Vergleich für die Funktion eines Satzspiegels ist, sich das Format einer Seite als Grundstück vorzustellen, auf welchem der Satzspiegel das Bauwerk und die in ihm enthaltenden Elemente das Interieur repräsentieren.Wie so häufig gibt es auch bei der Konstruktion eines Satzspiegels keinen Königsweg. Ein textbasierter Roman benötigt einen anderen Satzspiegel als ein monatlich erscheinendes Themenmagazin mit zahlreichen Bildern.
Bei der Konzeption eines Satzspiegels sollte man daher folgende Faktoren beachten und die Konstruktion dahingehende anpassen.
- Budget
- Produktionsparameter
- Qualität des Produkts
- Leseerfahrung der Zielgruppe
- Format der Publikation
Der Villardsche Teilungskanon
Benannt nach dem Franzosen »Villard de Honnecourt«, ist der Villardsche Teilungskanon einer der bekanntesten Methoden zur harmonischen Einteilung rechteckiger Flächen. Wie man an den Beispielen sehen kann, benötigt man für diesen Teilungskanon eine Doppelseite.
Im folgenden Beispiel sieht man den Aufbau für den Satzspiegel einer Buchseite im Format DIN A5.

Zunächst zieht man eine Diagonale von der unteren Ecke der ersten Seite zu der oberen rechten Ecke der zweiten Seite.

Als Nächstes zieht man eine neue Diagonale, wieder von der unteren linken Ecke der ersten Seite, zur oberen, rechten Ecke der ersten Seite auf.

Die beiden Schritt werden auf die zweite Seite übertragen.

Im folgenden Schritt wird eine gerade Linie (hier in Magenta dargestellt), durch den Schnittpunkt der großen Diagonale (ausgehend von Seite 1) und der kleinen Diagonale (unten rechts, nach oben links auf Seite 2) gezogen. Von der oberen Dokumentenkante wird nun eine verbindende Diagonale vom gleichen Schnittpunkt der gegenüberliegenden Seite (Seite 1) gezogen. Diese Diagonale verläuft parallel zu der darunterliegenden großen Diagonale.

Der Schnittpunkt der magentafarbenen Diagonale mit der kleinen Diagonale der zweiten Seite markiert den oberen Rand des Satzspiegels und bildet gleichzeitig seine rechte Ecke. Der Satzspiegel wird nun zu den drei gezeigten Kreisen (rechte Seite) aufgezogen und auf die erste Seite gespiegelt.

Zu sehen sind die einzelnen Stege/Rahmen, deren Bezeichnung und den optischen Flächen die sich ergeben, verlängert man die Kanten des Satzspiegels.
Konstruiert man einen Satzspiegel mit dem Villardschen Teilungskanon, entspricht das Verhältnis des Satzspiegels dem des Goldenen Schnitts.

Finale Doppelseite ohne Konstruktionslinien
Die Neunerteilung
Einfacher und vor allem zeitsparender ist der Satzspiegel durch die sogenannte Neunerteilung zu erreichen. Der finale Satzspiegel ist dem durch den Villardschen Teilungskanon gleich und entspricht ebenfalls dem Verhältnis des Goldenen Schnitts.
Für die Neunerteilung wird das Format in neun Zeilen und Spalten aufgeteilt. Für den Kopfsteg und Bundsteg lässt man hierbei eine Zelle, für den Fußsteg und Außensteg jeweils zwei Zellen frei (siehe Abbildung).

Anmerkung
Wie bereits zuvor erwähnt, muss sich die Konstruktion eines Satzspiegels stets nach diversen Faktoren richten. Die oben gezeigte Vorgehensweise ist zwar eine der harmonischsten Varianten einer Konstruktion, jedoch keine kosteneffiziente Lösung für Magazine oder odere Publikationen, bei denen der finanzielle Aspekt eine tragende Rolle spielt.
Ebenfalls sollte ein Satzspiegel stets an die verwendete Schriftart und deren Zeilenabstand angepasst werden. Leichte Anpassungen in der Länge des Sazspiegels, um mit dem Grundlinienraster übereinzustimmen, sind so gut wie immer ein Muss.


Hallo,
ist es bei elektronischen Medien wie z.B. PDF-Bewerbungen üblich links und rechts unterschiedliche Ränder zu lassen?
Danke
Hallo Martin,
die hier gezeigte Satzspiegelkonstruktionen finden vor allem bei der Gestaltung von Büchern ihre Verwendung. Bei Einzelseiten – wie bei Bewerbungen meistens der Fall – macht es in den meisten Fällen mehr Sinn, den Satzspiegel horizontal zentriert zu konstruieren. Dennoch kann man, sofern es gestalterisch gewünscht ist, einen asymmetrischen Satzspiegel anlegen, um den Lochrand auszugleichen oder dem Layout eine gewisse Spannung zu verleihen.
Ich hoffe ich konnte dir bei deiner Frage etwas behilflich sein :).
Liebe Grüße, Rene