Morphologischer Kasten: Die Ideen-Box
Wie schon beim letzten Beitrag über Kreativitätstechniken, welcher sich mit dem Thema »Brainstorming« beschäftigte, möchte ich mich hier einer weiteren Technik widmen – dem Morphologischen Kasten.
Morphologischer Kasten
Bekannt wurde der Morphologische Kasten durch den Mathematiker und Physiker Fritz Zwicky, welcher in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts die Morphologische Analyse entwickelte. Seine heutige Popularität erreichte die Zwicky-Box, wie diese Methode auch genannt wird, jedoch erst 30 Jahre später.
Beim Morphologischen Kasten handelt es sich um eine Kreativitätstechnik, die eine Problemstellung in ihrer ganzheitlichen Form betrachtet und analysiert. Die Methode der Morphologischen Analyse eignet sich für alle Problemstellungen, ob Logodesign oder die Konzeption einer neuen Kaffeemaschine.
Durchführung
01 | Problemdefinition und Verallgemeinerung
Bevor der Morphologische Kasten zum Einsatz kommt, gilt es zunächst das Problem zu definieren und in einem Satz auf den Punkt zu bringen. Die Fragestellung sollte hierbei etwas allgemeiner gestaltet werden, um der Problemlösung mehr Möglichkeiten zu geben. Hierzu ein kurzes Beispiel:
Richtig: Wie kann ein raumeffizientes Bett realisiert werden?
Falsch: Welche Eigenschaften muss eine Matratze eines Bettes besitzen, um wenigst möglich raum einzunehmen und welcher Mehrwert kann hinzugefügt werden?
02 | Die Parameteranalyse
Im nächsten Schritt werden alle Parameter festgelegt, welche der Problemlösung zuträglich sein könnten. Beispielsweise: Farbe, Größe, Oberflächenbeschaffenheit und so weiter. Hierbei gilt es lediglich zu beachten, dass die Anzahl von 10 Parametern nicht überschritten wird, um die spätere Auswertung nicht unnötig zu verkomplizieren.
03 | Lösungsvarianten bestimmen.
Im dritten Schritt werden alle erdenklichen Varianten der beschriebenen Parameter in den Morphologischen Kasten eingetragen. Beispielsweise könnten die Varianten des Parameters »Form« wie folgt aussehen: Rechteck, Kreis, Dreieck, Oktagon, etc.
Diese Varianten werden nun für jeden der Parameter bestimmt und werden ebenfalls auf 10 Stück pro Parameter beschränkt. Ebenfalls wichtig ist, dass alle Varianten kombinierbar sind.
04 | Visualisierung
Nachdem alle Parameter bestimmt und alle Varianten eingetragen worden sind, geht es an die Visualisierung »aller« denkbaren Lösungen. Diese Herangehensweise sei hier aber nur vollständigkeitshalber erwähnt, denn dieser Schritt kann schnell selbst zu einem Problem werden, wie ein kleines Rechenbeispiel anhand eines vollständig ausgefüllten Morphologischen Kastens aufzeigt:
10 Parameter mit 10 Varianten = 1x1010 = 10.000.000.000 (Zehnmilliarden) Möglichkeiten.
Da die Visualisierung einer solchen Menge schlicht und ergreifend nicht möglich sein wird, beschränkt man sich häufig auf drei bis fünf Lösungsvarianten, welche intuitiv gefunden werden. Bei der intuitiven Entscheidung spielt das vorhandene Fachwissen über das zu lösende Problem eine tragende Rolle.
05 | Bestimmung der optimalen Lösungsvariante.
Im letzten Schritt werden nun die unterschiedlichen Lösungen gegenübergestellt, analysiert und die Variante ausgewählt. Führt dieser Schritt nicht zum erhofften Erfolg und keiner der ausgewählten Lösungsansätze erfüllte den Aspekt der Problemlösung, beginnt man bei Schritt 2 erneut und wiederholt den Prozess.
Beispiel:
| Farbe | Schwarz | Weiß | Cyan | Grün | Rot |
| Form | Kreis | Quadrat | Rechteck | Pentagon | Organisch |
| Matratzenart | Federkern | Schaumstoff | - | - | - |
| Breite in cm | 90 | 120 | 140 | 160 | 180 |
| Gestell | Ohne | Rahmen | Hochgestellt | Dreifuß | Vierfuß |
| Mehrwert | Couchfunktion | Soundsystem | USB-Anschluss | Wecker | Wasserspender |
Die obere Tabelle zeigt anhand eines »Raumeffizienten Bettes mit Mehrwert« den dazu erstellten Morphologischen Kasten und der finale Lösungsansatz (gelb). Der gezeigte Kasten enthält 1250 verschiedene Lösungen.
Vor- und Nachteile
Vorteile:
- für alle Problemstellungen geeignet
- auch allein durchführbar
- viele Ideenvorschläge
- einfache Anwendung
Nachteile
- mitunter Zeitintensiv
- lange Auswertung bei komplexen Analysen.
- benötigt Expertenwissen
Fazit
Der Morphologische Kasten ist ein mächtiges Werkzeug für die kreative Problemlösung. Leider ist die Vorgehensweise und das benötigte Fachwissen über das jeweilige Themengebiet ein kleiner Wermutstropfen, da fachfremde Teilnehmer, aufgrund der benötigten Kombinierbarkeit der einzelnen Punkte, hier häufig nicht mitreden können . Die Tatsache, dass er universal einsetzbar und ebenfalls allein durchführbar ist, macht ihn zu einer meiner favorisierten Kreativitätstechniken.


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